Die 7 häufigsten Weinfehler – und wie du sie erkennst!

 

Uh, der Wein hat ‘n kleinen Stinker! Bitte was hat der? Nagellackentferner, verfaulte Eier, Essig oder feuchter Keller –  all das sind Fehlaromen alias Weinfehler. Wein ist ein Naturprodukt und unterliegt dem ständigen Wandel – mal zum positiven, mal zum negativen! Es gibt Weinfehler, die genauso schnell verschwinden wie sie aufgetaucht sind. Bei den meisten jedoch ist Hopfen und Malz verloren. In dem Fall hilft nur noch eins – ab in den Gully damit! Weinfehler zu erkennen ist mitunter schwierig – aber nicht unmöglich. Darf ich vorstellen? Die 7 häufigsten Weinfehler und wie du sie erkennst.

 

Trichloranisol (TCA)

Wir sagen: der Wein hat Kork

Riecht dumpf-muffig, nach nasser Pappe und nach feuchtem Keller

Der Wein hat Kork. Ist der Wein noch zu retten? Sorry – ganz klarer Fall für Mr. Gully. Hau weg die Brühe. Bitte, bitte, bitte – es gibt diese Spinner die nur am Korken riechen und daraufhin Wein reklamieren. Ja, der Korkverschluss KANN Aufschluss darauf geben ob ein Wein Kork hat. So richtig sicher kannst du dir aber erst sein, wenn du am Wein geschnuppert und ihn probiert hast. Korkverschluss und Wein also immer im Kontext beurteilen.

Nerdwissen: Verbindungen, die den gleichen Korkgeruch hervorrufen wie TCA, sind Bromverbindungen und Chlorphenole. Die Stoffe werden als Bleichmittel eingesetzt. Kommt das Zeug in Verbindung mit Verpackungsmaterial wie z.B. Schraubverschlüsse, kann ebenfalls ein muffiger Ton entstehen. Auch ein Wein mit Schraubverschluss kann demnach einen Korkton aufweisen.

 

Ethylacetate (EA) – Esterton

Wir sagen: der Wein hat Flüchtige

Riecht nach Nagellackentferner, Lösungsmitteln und Klebstoff

Der typische Geruch nach Lösungsmitteln entsteht durch die Bildung von Essigsäure. Der Ton schwächt mitunter etwas ab, gänzlich verschwinden wird er aber nicht. Weg damit.

 

Essigstich

Wir sagen: der Wein ist um

Riecht nach Essig

Jeder Wein hat einen natürlichen Gehalt an Essigsäure. Wird der Normwert überschritten, entsteht der sogenannte Essigstich. Verantwortlich hierfür kann ein zu hoher pH-Wert, zu niedrige Alkoholwerte oder ein Mangel an Alkohol sein. Auch ein unkontrollierter biologischer Säureabbau (BSA), falsches Weinbergsmanagement oder Lufteintritt während der Gärung können einen Essigstich begünstigen. Ein Wein mit Essigstich ist nicht mehr genießbar.

 

Böckser

Wir sagen: der Wein hat einen Stinker

Riecht nach verfaulten Eiern

Der sogenannte Böckser ist auf schwefelhaltige Verbindungen im Wein zurückzuführen (Schwefelwasserstoff). Der Wein riecht nach verfaulten Eiern. Ein Böckser kann während der Gärung und durch die Lagerung auf den Hefe entstehen. Durch die Behandlung mit Kupfersulfat (i.d.R. 0,001 bis 0,002 g/l.) kann der Kellermeister den Fehler easy peasy beseitigen. Vermeiden lässt sich der Böckser auch durch eine gute Klärung der Moste. Je mehr ich aber mit dem Wein hantiere, mache und tue, desto mehr geht auch kaputt. Insbesondere Kupfersulfat zieht die natürlichen Aromen des Weins in Mitleidenschaft. Nicht selten sind Weine, die ganz jung einen kleinen Böckser hatten, ohne weiteren Eingriff des Kellermeisters im erwachsenen Stadium die besten und gehaltvollsten Weine – da nimmt man doch gerne mal einen Stinker in Kauf. Insbesondere bei spontan vergorenen Weinen ist so ein kleiner Böckser völlig normal – kein Grund zur Panik.

Wichtig: Es gibt den guten Böckser (H2SBöckser) der mit etwas Luft im Glas oder mit dem Alter verfliegen kann. Hier handelt es sich lediglich um Schwefelwasserstoff. Das ist wie ein Pups im Auto – wegatmen oder Fenster aufmachen. Und dann gibt es da noch den bösen Böckser (Mercaptan Böckser) bei dem es sich um ein Gemisch aus Mercaptan und Thioalkohole handelt. Ein Mercaptan Böckser stinkt extrem, wirst du nicht mehr los und ist ein ganz klarer Fehler. #scheißeamschuh

 

Brettanomyces

Wir sagen: der Wein hat ‘n Brett

Riecht nach Pferdeschweiß, ledrig animalisch

Dieser Weinfehler ist nicht nur riechbar, sondern kann auch zu einer fehlerhaften Farbwiedergabe einer Trübung des Weins führen. Verantwortlich für diesen Fehler ist eine bestimmte Gattung von Hefen. In der Regel sind Holzfassgelagerte Rotweine betroffen. Hat sich diese Hefegattung im Weingut einmal eingenistet, wird man sie nur schwer wieder los. Nichtsdestotrotz wird dieser Ton von Weintrinkern in Maßen toleriert.

 

Oxidierter Wein

Wir sagen: der Wein ist um

Der Wein schmeckt nichtssagend, hat deutlich an Farbe eingebüßt und riecht nach Firne

Zu große Mengen Sauerstoff verändern den Geschmack und Geruch eines Weins. Oxidierter Rotwein riecht nach eingekochtem Obst und wird braun in der Farbe. Weißwein riecht alt, nach Firne und verändert seine Farbe in Dunkelgelb oder Beige. Der Wein ist tot. Keine Chance auf Reanimation.

 

Hitzegeschädigter Wein

Wir sagen: der Wein ist um

Der Wein riecht nach gekochtem Obst, die Farbe ist stark bräunlich

Hitzegeschädigte Weine (Kofferraum, Schaufenster) sind buchstäblich gekochte Weine. Typisch für diese Weine ist ein süßlich konzentrierter Duft nach getrocknetem Obst. Gekochte Weine schmecken flach, sind bräunlich in der Farbe und besitzen so gut wie keine Säurestruktur mehr.

Ist dieser Wein noch zu retten? Dein Abfluss freut sich …

 

Grundsätzliches

  • Hör auf deinen Bauch. Jeder Mensch hat eine natürlich Abneigung gegenüber übel riechenden Gerüchen
  • Probieren geht über studieren. Je mehr Wein du verkostest, desto eher entwickelst du ein Gefühl für richtig und falsch
  • Was für den einen kaum ertragbar ist, ist für den anderen völlig in Ordnung. Jeder Mensch hat eine andere Hemmschwelle. Ob der Fehler gravierend ist (Brett, Böckser) muss schlussendlich jeder für sich selber entscheiden

 

Probieren, probieren, probieren – Weinfehler zu erkennen ist mitunter tricky aber nicht unmöglich!

#bringflavorhome

Grapes & Love

Deine Lou