Das meiste, was ihr glaubt zu schmecken, schmeckt ihr gar nicht – ihr riecht es. Klingt verrückt, ist aber so. Lou nimmt euch heute mit auf eine kleine Reise durch Nase, Zunge und Gehirn: Warum ist der Geruch beim Weingenuss so viel wichtiger als der Geschmack? Was sind die fünf Begriffe, die jeder kennen sollte, um einen Wein wirklich zu beschreiben? Und was hat die Zungenkarte aus dem Schulunterricht mit einem der größten Mythen der Weinwelt zu tun? Tipp: Wenn ihr ein Glas zu Hause habt – schnappt es euch. Heute könnt ihr direkt mitmachen.
Wein der Woche
Via al Castello Valpolicella Ripasso DOC – Venetien, Italien | Rheinberg Kellerei
Ein Ripasso aus dem Herzen Venetiens – und ein idealer Wein, um alle fünf Sensorik-Begriffe der heutigen Folge in einem Glas zu erleben. Die typische Ripasso-Methode – der Wein wird über die Trestern des Amarone nachvergoren – gibt ihm Tiefe, Struktur und diese besondere Komplexität: fruchtig, reiches Bukett, ein leichter Lakritz-Touch, weiche Tannine und ein langer Abgang. Trocken, 13,5 % vol., ideal zu überbackener Pasta, Eintöpfen und reifem Käse.
Weinlexikon: R wie Retronasales Riechen
„Retro““ heißt rückwärts, „nasal““ betrifft die Nase. Wenn ihr Wein im Mund habt und ausatmet, steigen die Aromastoffe über den Rachen hoch in die Nasenhöhle – quasi durch die Hintertür. Genau dort, an den Riechzellen, entsteht das, was wir als „Geschmack““ bezeichnen. Eigentlich müsste man also sagen: Wir erschmecken den Wein gar nicht – wir erriechen ihn. Das Gegenstück ist das orthonasale Riechen, das normale Schnuppern von vorne. Beide zusammen ergeben das volle Bild eines Weins – und genau deshalb lohnt es sich, beim Trinken kurz innezuhalten und nachzuspüren.“