Ist der Wein noch gut? Das sind die 10 häufigsten Weinfehler!

Uh, der Wein hat nen kleinen Stinker! Bitte was hat der? Nagellackentferner, verfaulte Eier, Essig oder feuchter Keller – all das sind Fehlaromen alias Weinfehler. Wein ist ein Naturprodukt und unterliegt dem ständigen Wandel – mal zum Positiven, mal zum Negativen! Es gibt Weinfehler, die genauso schnell verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Bei den meisten jedoch ist Hopfen und Malz verloren. In dem Fall hilft nur noch eins: Ab in den Gully damit! Weinfehler zu erkennen ist mitunter schwierig – aber nicht unmöglich. Darf ich vorstellen? Die 10 häufigsten Weinfehler und wie du erkennst, ob der Wein noch gut ist.

 

Was sind Weinfehler überhaupt?

Bevor wir in die Vollen gehen, klären wir aber noch schnell, wie Weinfehler überhaupt definiert sind und wie sich Weinfehler von Weinkrankheiten abgrenzen.

Fehler des Weins: „Darunter sind abartige Veränderungen in der Farbe, im Geruch oder Geschmack eines Weins oder seines Ausgangsprodukts (Most oder Maische) zu verstehen, die den Genusswert vermindern und zu Beanstandungen führen. Ursache von Fehlern sind chemischer Natur, während man bei ‚Fehlern‘, die auf unerwünschte Tätigkeit von Mikroorganismen zurückzuführen sind, von Krankheiten spricht.“ – Lexikon der Önologie, Ludwig Jakob.

 

Der Wein hat Kork

Muffton

Einer der häufigsten Fehler im Wein ist der Korkgeruch. Der Wein riecht dumpf-muffig, nach nasser Mappe und manchmal auch unangenehm nach feuchtem Keller. In den meisten Fällen ist ein Korkgeruch sofort zu erkennen. Es gibt aber auch Weine, bei denen man den Korkgeruch nicht auf Anhieb riecht. Der unangenehme Ton macht sich erst beim „Trinken“ bemerkbar und heißt deshalb auch „schleichender Kork“. So ein schleichender Kork kommt öfter vor als gedacht. Hast du das Gefühl, dass der Wein nicht ganz sauber riecht, probiere ihn ruhig und beurteile Geruch und Geschmack des Weins im Kontext zueinander. Verantwortlich für den klassischen Korkschmecker ist im Übrigen der Stoff Trichloranisol (TCA).

Gut zu wissen: Verbindungen, die den gleichen Korkgeruch hervorrufen wie TCA, sind Bromverbindungen und Chlorphenole. Die Stoffe werden als Bleichmittel eingesetzt. Kommt das Zeug in Verbindung mit Verpackungsmaterial wie z. B. Schraubverschlüssen, kann ebenfalls ein muffiger Ton entstehen. Auch ein Wein mit Schraubverschluss kann demnach einen Korkton aufweisen.

 

Der Wein riecht nach Lösungsmitteln

Esterton

Ein Ton, der häufiger vorkommt als gedacht, ist der Geruch nach Lösungsmitteln, Klebstoffen, Lacken und Nagellackentferner. Der Fachbegriff ist der sogenannte „Esterton“, der das Ergebnis der Bildung von Essigsäure ist, die zu dem stechend riechenden Ethylacetat führt.

 

Der Wein riecht nach verfaulten Eiern

→ Böckser

Der sogenannte Böckser ist auf schwefelhaltige Verbindungen im Wein zurückzuführen (Schwefelwasserstoff). Der Wein riecht nach verfaulten Eiern. Ein Böckser kann während der Gärung und durch die Lagerung auf der Hefe entstehen. Durch die Behandlung mit Kupfersulfat (i. d. R. 0,001 bis 0,002 g/l) kann der Kellermeister den Fehler easy peasy beseitigen. Vermeiden lässt sich der Böckser auch durch eine gute Klärung der Moste. Je mehr ich aber mit dem Wein hantiere, mache und tue, desto mehr geht auch kaputt. Insbesondere Kupfersulfat zieht die natürlichen Aromen des Weins in Mitleidenschaft. Nicht selten sind Weine, die ganz jung einen kleinen Böckser hatten, ohne weiteren Eingriff des Kellermeisters im erwachsenen Stadium die besten und gehaltvollsten Weine – da nimmt man doch gerne mal einen Stinker in Kauf. Insbesondere bei spontan vergorenen Weinen ist so ein kleiner Böckser völlig normal – kein Grund zur Panik.

Wichtig: Es gibt den guten Böckser (H2S-Böckser), der mit etwas Luft im Glas oder mit dem Alter verfliegen kann. Hier handelt es sich lediglich um Schwefelwasserstoff. Das ist wie ein Pups im Auto – wegatmen oder Fenster aufmachen. Und dann gibt es da noch den bösen Böckser (Mercaptan-Böckser), bei dem es sich um ein Gemisch aus Mercaptan und Thioalkoholen handelt. Ein Mercaptan-Böckser stinkt extrem, du wirst ihn nicht mehr los und er ist ein ganz klarer Fehler. #scheißeamschuh

 

Der Wein riecht nach Essig

→ Essigstich

Jeder Wein hat einen natürlichen Gehalt an Essigsäure. Wird der Normwert überschritten, entsteht der sogenannte Essigstich. Verantwortlich hierfür können ein zu hoher pH-Wert, zu niedrige Alkoholwerte oder ein Mangel an Alkohol sein. Auch ein unkontrollierter biologischer Säureabbau (BSA), falsches Weinbergs-Management oder Lufteintritt während der Gärung können einen Essigstich begünstigen. Ein Wein mit Essigstich ist leider nicht mehr genießbar.

 

Der Wein riecht animalisch

→ Brettanomyces

Vielleicht hast du das schon mal gehört, dass jemand gesagt hat, dass der Wein „Brett“ hat. Damit meint man den animalischen, mitunter stark nach altem Leder oder Pferdeschweiß riechenden Geruch. Dieser Weinfehler ist nicht nur riechbar, sondern kann auch zu einer fehlerhaften Farbwiedergabe und zu einer Trübung des Weins führen. Verantwortlich für diesen Fehler ist eine bestimmte Gattung von Hefen. In der Regel sind holzfassgelagerte Rotweine betroffen. Hat sich diese Hefegattung im Weingut einmal eingenistet, wird man sie nur schwer wieder los. Nichtsdestotrotz wird dieser Ton von Weintrinkern in Maßen toleriert.

 

Der Wein riecht nach Firne

→ Oxidierter Wein

Zu große Mengen Sauerstoff verändern den Geschmack und Geruch eines Weins. Oxidierter Rotwein riecht nach eingekochtem Obst und wird braun in der Farbe. Weißwein riecht alt, nach Firne und verändert seine Farbe in Dunkelgelb oder Beige. Der Wein ist tot. Keine Chance auf Reanimation.

 

Der Wein riecht nach Mottenkugeln

→ UTA – untypischer Alterungston

Hat ein Wein UTA, handelt es sich um einen untypischen Alterungston im Wein. Dieser Weinfehler lässt sich sehr gut von oxidiertem Wein unterscheiden, weil UTA vermehrt bei jungen Weißweinen auftaucht und nicht bei Weinen, die im Weinkeller vergessen worden sind. Der Grund für einen untypischen Alterungston liegt im Weinberg. Eine starke Mangelversorgung der Rebe mit Nährstoffen und / oder starker Stress, z. B. zu wenig Wasser und zu viel Hitze, sorgen dafür, dass der Wein nach Mottenkugeln oder in extremen Fällen nach Erbrochenem riecht.

 

Der Wein riecht nach Geranien

→ Geranienton

Ein Geranienton riecht, wie der Name schon sagt, stark nach Geranien. Im Geschmack sind solche Weine oft sehr unangenehm bitter und erdig. Hervorgerufen wird dieser Weinfehler, wenn eine Verstoffwechselung durch bestimmte Milchsäurebilder erfolgt.

 

Der Wein riecht stark nach gekochtem Obst

→ Hitzegeschädigter Wein

Hitzegeschädigte Weine (Kofferraum, Schaufenster) sind buchstäblich gekochte Weine. Typisch für diese Weine ist ein süßlich-konzentrierter Duft nach getrocknetem Obst. Gekochte Weine schmecken flach, sind bräunlich in der Farbe und besitzen so gut wie keine Säurestruktur mehr.

 

Praxistipp

→ Hör auf deinen Bauch. Jeder Mensch hat eine natürliche Abneigung gegenüber übel riechenden Gerüchen.

→ Was für den einen kaum ertragbar ist, ist für den anderen völlig in Ordnung. Jeder Mensch hat eine andere Hemmschwelle. Ob der Fehler gravierend ist (Brett, Böckser), muss schlussendlich jeder für sich selber entscheiden.

→ Probieren geht über Studieren. Je mehr Weine du verkostest, desto eher entwickelst du ein Gefühl für Richtig und Falsch.

Du siehst, Weinfehler zu erkennen ist nicht schwierig. Es erfordert nur ein bisschen Wissen und Training in Form von Probieren, Probieren, Probieren! Je mehr Weine du verkostest, desto „trittsicherer“ wirst du. Wichtig, nicht nur bei der Analyse von Weinfehlern: Schul deinen Geruchssinn! Das kannst du ganz einfach und jeden Tag zuhause machen: Riech an der Milch, riech an der Butter, der Banane, den Himbeeren, am Brot oder dem Apfel! Wir können uns mehr Gerüche merken, als du glaubst.

#bringflavorhome

Grapes & Love

Deine Lou

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