Was ist Ribera del Duero für ein Wein?

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Wenn du anfängst, dich mit Weinen aus Spanien zu beschäftigen, wirst du zwangsläufig auch über das Weinanbaugebiet Ribera del Duero stolpern. Kein Wunder, denn dieses Weinanbaugebiet gilt seit den 1990er Jahren als eines der renommiertesten und bekanntesten in ganz Spanien. Ob Vega Sicilia, Pingus oder Hacienda Monasterio – von hier stammen einige der teuersten und begehrtesten Weine der Welt. Aber nicht nur die Preise sind meist gehoben, sondern auch die Qualität. In diesem Blogartikel erfährst du alles über die geografische Lage des Weinanbaugebiets, das Klima, die Rebsorten und natürlich über die Besonderheiten der Weine. Außerdem gibt’s von mir auch noch ein paar Empfehlungen für einen Kurztrip in die Weinregion und einige spannende Probiertipps.

Der Schlüssel für die Einzigartigkeit der Weine aus dem Ribera del Duero ist ihre Herkunft. Es ist die Kombination aus Boden, Klima, Reben und den Persönlichkeiten dieser Region, die den Weinen zu ihrem eigenständigen Charakter verhilft.

Geografische Lage des Ribera del Duero

Das Ribera del Duero befindet sich in der Region Kastilien und León, liegt ca. 150 Kilometer nördlich von Madrid und erstreckt sich entlang des Flusses Duero, der durch die nordspanische Hochebene fließt. Das Gebiet wird von einer kargen Hügellandschaft, den für die Region so typischen Pinienwäldern, Olivenbäumen und historischen Dörfern geziert und umfasst eine Gesamtrebfläche von gerade einmal 27.000 Hektar. Für Spanien, das größte Weinanbauland der Welt, ist das sehr überschaubar und größentechnisch in etwa vergleichbar mit dem deutschen Weinanbaugebiet Rheinhessen. Diese 27.000 Hektar verteilen sich im Ribera del Duero auf die vier Weinanbaubereiche Valladolid (tiefstgelegener Bereich), Burgos (größter Bereich), Segovia (kleinster Bereich) und Soria (höchstgelegener Bereich).

Eine der wohl schönsten Möglichkeiten, das Ribera del Duero zu erkunden, ist auf dem Drahtesel. Von März bis Oktober bietet die ökologisch zertifizierte Finca Villacreces eine 5 Kilometer lange Fahrradtour durch die Weinberge und Pinienwälder vorbei am Flüsschen Duero an mit anschließendem Picknick an.

Das Klima im Ribera del Duero 

Eine Besonderheit des Weinanbaugebiets Ribera del Duero ist das extrem rigorose Klima. Die Region befindet sich im Norden Spaniens und wird von einem stark kontinentalen Klima mit heißen Tagen und kalten Nächten beeinflusst. Die Temperaturen können im Winter auf bis zu -20 Grad Celsius fallen und im Sommer auf über 40 Grad Celsius steigen.

Hättest du es gewusst? Im Ribera del Duero sind weit mehr als 32 verschiedene Bodentypen bekannt. Zu den am häufigsten vertretenen zählen jedoch Lehm, Kalk und Kiesel.

Dieses Klima mag zunächst abschreckend wirken, hat jedoch einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Inhaltsstoffe in der Beere. Bedingt durch die stets kühlen Nächte und Morgenstunden im Ribera del Duero veratmet die Säure nämlich wesentlich langsamer als in Regionen, in denen es nicht nur tagsüber, sondern auch nachts sehr warm ist. Die Kälte wirkt dem Säureabbau in der Beere also auf natürliche Art und Weise entgegen und beeinflusst damit auch den Geschmack und die Stilistik der Weine aus dieser einzigartigen Region. So kommt es, dass man in einer augenscheinlich sehr warmen Region immer noch frische Weine mit Eleganz und Finesse auf die Flasche bringt.

Dass die Region auf eine lange Geschichte der Weinherstellung zurückblicken kann, wird einem spätestens beim Besuch einer der kilometerlangen unterirdischen Keller, die teilweise aus dem 14. Jahrhundert stammen und bis zu 30 Meter tief unter der Erde liegen, bewusst. Der Besuch einer dieser historischen Keller wie z. B. beim Familienbetrieb Bodegas Ismael Arroyo – ValSotillo in Sotillo de la Ribera ist nicht nur hochinteressant, sondern gehört auch zum Pflichtprogramm jeder Ribera-del-Duero-Reise.

Die Rebsorten im Ribera del Duero 

Steht auf dem Weinetikett Ribera del Duero, dann kannst du davon ausgehen, dass es sich fast immer um einen Wein aus der Rebsorte Tempranillo (aka Tinta Fina, Tinta del País) handelt. Tempranillo ist nämlich nicht nur DIE rote Rebsorte Spaniens, sondern beansprucht auch im Ribera del Duero ca. 95 % der gesamten Rebfläche für sich. Aus Tempranillo entstehen tiefdunkle und kraftvolle Rotweine mit dem charakteristischen Duft nach Kirschen, Feigen, Dill und Zedernholz bis hin zu Kakao, Tabak oder auch Kokos. Typisch für die Rebsorte ist zudem eine prägnante Säurestruktur und ein kräftiges Gerbstoffgerüst. Um die für Tempranillo sehr trockene Tanninstruktur zu harmonisieren, wird er oft mit anderen Rebsorten verschnitten und in Kleinholzfässern ausgebaut und gelagert. Weitere rote Rebsorten, die in der D.O. Ribera del Duero zum Einsatz kommen dürfen, sind Merlot, Malbec, Garnacha Tinta und Cabernet Sauvignon.

Für die Rebsorte Tempranillo existieren weltweit mehr als 80 Synonyme. Im Ribera del Duero hört die Rebsorte unter anderen auf den Namen Tinto Fino.

Im Ribera del Duero werden über 70 % mit der Hand gelesen. Eine der größten Vorteile gegenüber der Maschinenlese ist die Möglichkeit einer kontrollierten Selektion des Traubenmaterials. Obwohl die Hektarhöchsterträge gesetzlich auf 7.000 Kilo festgelegt sind, werden im Ribera del Duero durchschnittlich nur etwas mehr als 4.000 Kilo geerntet. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Hektarhöchstertrag für Qualitätswein bei ca. 9.000 Kilo, in Österreich sogar bei 10.000 Kilo pro Hektar. Geringere Erntemengen führen auch oft zu höheren Qualitäten. Denn je weniger Trauben ein Weinstock zu versorgen hat, desto eher kann er die verbleibenden mit Nährstoffen versorgen. Dies führt wiederum zu einer natürlichen Konzentration wichtiger Beereninhaltsstoffe und demnach zu charaktervollen und ausdrucksstarken Weinen.

Die Weinreben im Ribera del Duero wachsen auf einer Höhe zwischen 720 und über 1.000 Metern über dem Meeresspiegel

Aus dem Ribera del Duero stammen aber nicht nur Rotweine, sondern auch Rosé- und Weißweine. Zu der wichtigsten weißen Rebsorte zählt Albillo Mayor, die es im Ribera del Duero zwar in kleinen Beständen schon immer gab, die aber erst im Jahr 2019 von der D.O. Ribera del Duero offiziell zugelassen wurde. Kennzeichnend für Albillo Mayor ist eine ausgeprägte Säurestruktur und der aromatische Duft nach weißen Blüten, Äpfeln, Orangen, Kamille und Wachs. Meiner Meinung nach eine hervorragende Alternative für alle, die gerne Aligoté im Glas haben.

Ein charakteristisches Merkmal des Weinanbaugebiets Ribera del Duero ist der hohe Bestand an alten Reben (aka Old Vines oder Vieilles Vignes). Über 30 % der Bestände sind über dreißig, 8 % sogar älter als achtzig Jahre.

Die Bedeutung von Crianza, Reserva & Gran Reserva

Die Bezeichnungen Crianza, Reserva und Gran Reserva auf den Weinetiketten geben dir Aufschluss über die Reifezeit der Weine im Kleinholzfass und die anschließende Reifezeit in der Flasche vor Markteintritt. Dabei ist die Dauer der Reifezeit im Kleinholzfass bei Rotweinen in der Regel immer länger als bei Weiß- und Roséweinen. Ein Crianza reift mindestens zwei Jahre, davon mindestens 12 Monate im Fass, ein Reserva soll insgesamt mindestens 3 Jahre reifen, davon muss er mindestens 12 Monate ins Holz, während ein Gran Reserva 5 Jahre reifen und davon mindestens 24 Monate im Fass verbringen muss. Einige Weingüter gehen aber weit über diese Mindestanforderungen hinaus.

Immer weniger Winzer:innen im Ribera del Duero produzieren Crianza oder Reserva, da sie ihren Weinen genau die Reifezeit im Eichenholzfass geben möchten, die der jeweilige Wein auch benötigt. Weine, die in diese Kategorie fallen, werden mit „Cosecha“ etikettiert. Das sorgt allgegenwärtig für Verwirrung, denn ob und wie lange ein Wein mit der Aufschrift „Cosecha“ Zeit im Fass verbracht hat und welcher Qualität dieser zuzuordnen ist, wissen nur die Winzer:innen. Oder vereinfacht formuliert: alles kann, nichts muss!

Das ein Großteil aller Weine aus dem Ribera del Duero in neuen oder gebrauchten Kleinholzfässern aus französischer oder amerikanischer Eiche ausgebaut und gelagert werden liegt daran, dass die Rebsorte Tempranillo mit ihrer sehr kraftvollen und, ja, rauen und austrocknenden Tanninstruktur geradezu nach Holz verlangt. Der Ausbau und die Lagerung im Eichenholzfass beeinflussen nämlich die Entwicklung und Intensität der Tanninstruktur der Weine. Während der Lagerung im Holzfass können winzige Mengen an Sauerstoff in das Fass eindringen und mit dem Wein reagieren (aka Mikrooxygenierung) – denn Eiche ist nicht luftdicht.

Die kontrollierte, geringe Sauerstoffzufuhr führt im Idealfall zu mehr Aromatiefe und Komplexität. Die Tannine, also die im Wein vorhandenen Gerbstoffe, können sich infolge des Sauerstoffkontakts besser entwickeln – das Tannin wird im besten Fall sanfter und geschmeidiger. Zusätzlich können während der Lagerung Aromen von Kakao, Zedernholz, Zimt, Tabak oder auch Kokos in den Wein übergehen. Inwieweit ein Wein durch ein Fass aromatisiert wird, hängt nicht nur vom Holz per se, sondern auch vom jeweiligen Toastungsgrad – light, medium oder heavy – der Fässer bzw. der Dauben (aka Seitenbretter) ab. Außerdem beeinflussen auch die Art des Holzes sowie die Häufigkeit und die Dauer der Belegung der Fässer die Art der Aromen und die Aromaintensität.

Welches Holz und welcher Toastungsgrad im Ribera del Duero verwendet wird, lässt sich nur schwer pauschalisieren, sondern hängt maßgeblich von der angestrebten Stilistik der jeweiligen Weingüter und deren Philosophie des Weinmachens ab. Der Ausbau der Weine in neuen Kleinholzfässern ist für die Winzer:innen überdies mit einem hohen Investitionsvolumen verbunden. Nicht selten werden die Fässer nur ein- bis dreimal belegt, bevor sie ausrangiert werden. Der Preis für ein Fass liegt dabei durchschnittlich zwischen 800 und 1000 Euro. Auch gibt es einige Weingüter im Ribera del Duero, die ihre Fässer in mühevoller Handarbeit selber herstellen, um die Qualität dieser zu gewährleisten.

Tempranillo in der Speisebegleitung

Weine aus dem Ribera del Duero überzeugen nicht nur durch ihr hervorragendes Alterungspotenzial, sondern passen bedingt durch ihre kraftvolle Eleganz auch zu einer ganzen Bandbreite verschiedenster Gerichte wie z. B. Steaks, saftigen Burgern oder Lamm. Leichtere Tempranillo-Exemplare wie z. B. ein Cosecha oder Crianza passen zudem auch sehr gut zu tomatenbasierten Gerichten wie einer herzhaften Lasagne. Aber auch im Ribera del Duero gibt es eine Vielzahl lokaler Gerichte und Spezialitäten, die frei nach dem Motto „What grows together, goes together“ auch nach genau den Weinen aus der Region verlangen: 

  • Flusskrebse & Albillo Mayor
  • Lechazo (aka Milchlamm) & Tempranillo, z. B. ein Gran Reserva
  • Schafskäse & Tempranillo, z. B. ein Reserva 
  • Gefüllte oder gebratene Pilze mit Ei & Tempranillo, z. B. ein Crianza
  • Morcilla (aka gebratene Blutwurst) & Tempranillo, z.B. ein Reserva
  • Chorizo Botagueña & Tempranillo, z. B. ein Crianza

Das Restaurante Ambivium, ausgezeichnet vom Guide Michelin mit einem Stern, liegt in Peñafiel mit atemberaubend schönem Blick auf das Castillo de Peñafiel und die umliegenden Weinberge. Bekannt ist das Restaurant nicht nur für seine Weinkarte mit über 4.000 Positionen aus Ribera del Duero und dem Rest der Welt, sondern insbesondere für das Tasting-Menü „Cellarium“. Kreiert von Küchenchef Cristóbal Muñoz mit Produkten aus der Region wird dieses mit einer Auswahl von über 20 Weinen begleitet.

Das richtige Weinglas & die Serviertemperatur für Tempranillo

Das richtige Weinglas und auch die Serviertemperatur richten sich logischerweise nach der individuellen Beschaffenheit des Weins. Allgemein gesprochen sitzt du mit einem Universal- oder Bordeauxglas sowie einer Temperatur von maximal 18 Grad Celsius aber in jedem Fall auf der sicheren Bank.

Lous Probiertipps

  • Hacienda Monasterio
  • Val Sotillo
  • Dominio del Aguila
  • Dehesa de los Canónigos
  • Vega Sicilia
  • Pingus
  • Bodega Finca Torremilanos

*Anzeige I Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit D.O. Ribera del Duero 

#bringflavorhome

Grapes & Love

Deine Lou

Über die Autorin

Louisa Maria Schmidt (aka Lou) schreibt auf ihrem Blog über Wein und erklärt in Kurzvideos auf Instagram, auf was es bei Wein wirklich ankommt. In der Gastronomie groß geworden, studierte sie Internationale Weinwirtschaft an der Hochschule Geisenheim. Heute arbeitet sie als Wine Consultant und Content Creatorin für PR-Agenturen, Online- und Printmagazine sowie Weingüter.

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