Heilbronn: 8 Wein-Tipps für die Stadt der kurzen Wege

Heilbronn, die traditionsreiche Weinstadt am Neckar, bietet eine einzigartige Mischung aus urbanem Flair und ländlicher Idylle und hat damit Seltenheitswert in Deutschland. Ob du gezielt nach Heilbronn fährst oder einfach auf der Durchreise bist: Dank der hervorragenden Autobahnanbindung ist Heilbronn perfekt für einen Kurztrip oder einen Stopover geeignet. Das gemütliche Städtchen mit Dorfcharakter ist ein echter Geheimtipp und überzeugt durch viele Einkaufsmöglichkeiten, kulturelle Highlights wie das Science Center Experimenta oder das Museum im Deutschhof sowie viele Grünanlagen wie den Botanischen Obstgarten oder das ehemalige Gelände der Bundesgartenschau, die zum Verweilen und Schlendern einladen.

In Heilbronn kommen aber auch Weinliebhabende voll auf ihre Kosten! Ob Weingüter, Weinwanderungen oder Weinbars – Heilbronn macht’s möglich! Besonders erwähnenswert sind die kurzen Wege: In nicht einmal 10 Minuten steht man ohne nervenaufreibendes Stop-and-Go inmitten der Weinberge und genießt einen unvergleichlich schönen und entschleunigenden Blick auf die Stadt. Im heutigen Blogartikel verrate ich dir meine 8 besten Wein-Tipps für Heilbronn:

Tipp Nr. 1: Weinpanoramaweg und Weinlehrpfad

Ein absolutes Muss für alle Wein-Freaks, Naturliebhabende und Bewegungswütigen ist der 6 Kilometer lange Weinpanoramaweg und Weinlehrpfad, der sich durch die Heilbronner Weinberge schlängelt und hoch hinaus auf den Hausberg der Stadt, den Wartberg, führt. Die gemütliche Route bietet nicht nur einen fantastischen Panoramaausblick auf die Stadt und das Umland, sondern auch zahlreiche Infotafeln entlang des Weges, die interessante Fakten rund um den Heilbronner Weinbau, die Kultur und die Naturlandschaft vermitteln.

Der Weinpanoramaweg ist ideal für Anfänger:innen geeignet und perfekt für eine entspannte Wanderung, bei der du die Idylle des Heilbronner Lands genießen kannst. Solltest du doch Lust auf ein bisschen mehr Halligalli haben, dann buche einfach eine der vielen geführten Themenweinwanderungen oder eine Weinwanderung mit Bollerwagen & Co.

Gute Startpunkte für den Weinpanoramaweg sind entweder der Wanderparkplatz am Sattel (Öhringer Str., 74076 Heilbronn) oder von der Stadt kommend das Weingut G.A. Heinrich in der Riedstraße 29.

Tipp Nr. 2: Martin-Heinrich-Wengertshäusle

Mein persönliches Highlight ist das Martin-Heinrich-Wengertshäusle auf dem Wartberg. Von April bis Oktober schenken hier bei schönem Wetter abwechselnd Heilbronner Winzer und Winzerinnen aus. Nach der Wanderung kannst du in lockerer und gemütlicher Atmosphäre ein kühles Gläschen Wein schlürfen, dir eine Bratwurst vom Grill gönnen und dabei den malerischen Ausblick auf Heilbronn und die umliegenden Weinberge genießen. Solltest du nicht gut zu Fuß sein oder keine Zeit für eine Wanderung haben, dann fahr ganz einfach mit dem Auto auf den Wartberg und stell es auf dem angrenzenden Waldparkplatz ab. Ob das Wengertshäusle geöffnet ist, erkennst du übrigens an den wehenden Fahnen, die du bereits von der Stadt aus sehen kannst.

Tipp Nr. 3: Die Weinadresse

Die Weinadresse in der Heilbronner Bahnhofsvorstadt sollte unbedingt auf deiner Heilbronn-Bucketlist stehen! Mit einer so umfangreichen und erstklassigen Weinauswahl hätte ich in Heilbronn wirklich nicht gerechnet. Das Sortiment umfasst über 300 regionale und überregionale Weine aus der ganzen Welt, die du entweder mit nach Hause nehmen oder gegen einen fairen Aufpreis auch direkt vor Ort entkorken kannst. Zusätzlich gibt es eine wöchentlich wechselnde offene Weinkarte. Richtig gute Kleinigkeiten zum Schnabulieren gibt es auch. Dafür verwendet die Weinadresse vornehmlich regionale Zutaten, die das Team unter anderem im historischen Fleischerhaus in Heilbronn shoppt. Und als ob das noch nicht genug wäre, gibt es hier neben Wein auch noch Spirituosen und eine wechselnde Bierauswahl. 

Gut zu wissen

Die Küche der Schwaben ist zumeist deftig, rustikal und hausgemacht. Bekannt sind insbesondere die traditionellen Besenwirtschaften, die Weinstuben der schwäbischen Winzer und Winzerinnen, die 16 Wochen im Jahr geöffnet haben und in denen man gemütlich beieinandersitzt, Viertele schlotzt und schwäbische Klassiker schlemmt. Zum Beispiel im Besen vom Weingut Fischer, im Weingut Springer oder aber im Böckinger Besen. Achte unbedingt auf die Öffnungszeiten. Die meisten Besenwirtschaften (aka Straußwirtschaft oder Gutsausschank) haben nur saisonal geöffnet. Der „Besen-Kalender“ der Stadt Heilbronn sagt dir genau, wann welche Besenwirtschaft geöffnet hat.

Tipp Nr. 4: Der Weinpavillon

Richtiges Urlaubsfeeling kommt bei schönem Wetter im Weinpavillon an der Neckarbühne auf. Ob nach dem Bummeln, einer Wanderung oder Fahrradtour – der Weinpavillon ist der perfekte Ort, um den Tag entspannt am Wasser ausklingen zu lassen. Küchenchef Jürgen Sawall verwöhnt dich mit kleinen Gerichten im Tapas-Stil, stets mit schwäbischem, Einschlag. Ob Winzer-Tapas, hausgemachte Fleischküchle oder knusprige »Winzertasche«, eine mit Maultaschen gefüllte Roggenschnitte – dazu gibt es eine kleine, aber feine Auswahl an regionalen Weinen. Damit steht dem Sundowner mit Blick auf den Neckar nichts mehr im Wege!

Tipp Nr. 5: Die Weinvilla

In der Cäcilienstraße, gleich am Rand der Innenstadt Heilbronns, liegt die WeinVilla. Das historische Gebäude wurde 1873 von Christian Zillhardt erbaut und später von Andreas Faißt und Prof. Robert von Reinhardt zu einer Villa umgebaut. Heute befindet sich in der WeinVilla ein Restaurant mit angeschlossener Vinothek, das von einem Zusammenschluss aus 14 Weingütern und der Genossenschaftskellerei Heilbronn geführt wird. Hier hast du nicht nur die Möglichkeit, die Weine der Weingüter Heilbronns zu verkosten oder direkt ein Fläschchen zum Ab-Hof-Preis mit nach Hause zu nehmen, sondern kannst auch schwäbische Klassiker wie Zwiebelrostbraten mit Spätzle, Maultaschen & Co. im lauschigen Innenhof genießen! Eine ebenfalls sehr lohnende Adresse ist das Restaurant Bachmaier in der unteren Neckarstraße – unbedingt reservieren!

Tipp Nr. 6: SITT Weinbar

Ein weiterer Weinbar-Tipp ist die Self-Exploring Winebar im wunderschönen Deutschhof. Mit der Sitt Wine Card kannst du dir per Knopfdruck selbst über 100 Weine zapfen – ob Probierschluck, kleines oder großes Glas. Einfach nur klasse, um die Vielfalt der Weine aus der Region und der ganzen Welt kennenzulernen. Dazu gibt es regionale Leckerbissen aus ökologischer und biodynamischer Landwirtschaft, die perfekt zu den Weinen passen.

Gut zu wissen

Mit 500 Hektar Rebfläche ist Heilbronn eines der größten Weinanbaugebiete Baden-Württembergs und liegt mitten auf der Württembergischen Weinstraße. Seit mehr als 1250 Jahren wird in Heilbronn Wein angebaut, das damit auch die älteste Weinstadt Württembergs ist. 70 % der Gesamtrebfläche Württembergs entfallen auf Rotwein. Darunter befinden sich Rebsorten wie Trollinger (aka Vernatsch), aus dem geniale Vesperweine gekeltert werden, die man am besten leicht gekühlt trinkt, sowie kräftigere und unfassbar elegante Weine aus der Rebsorte Lemberger (aka Blaufränkisch). 

Württemberg und damit auch Heilbronn sind aber nicht nur für Rotweine bekannt, sondern insbesondere für die weiße Rebsorte Riesling. Wusstest du, dass Württemberg nach Mosel, Pfalz, Rheinhessen und dem Rheingau mit ca. 2.100 Hektar Rebfläche Platz 5 der deutschen Riesling-Anbaugebiete belegt? Der vorherrschende Bodentyp in Heilbronn ist der Gipskeuper, der wiederum aus einem Gemisch aus Ton und Kalk besteht und in verschiedenen Farben vorkommt – von Blau über Grün und Rot bis hin zu Grau. Der Boden prägt die Weine aus Württemberg und Heilbronn sehr. Ganz typisch, unabhängig von der Farbe des Keupers, ist der würzig-krautige Duft, den alle Weine, die auf Keuper gewachsen sind, gemein haben. In den höheren Lagen gibt es auch viel Sandstein, was den Weinen oft zu einer extra Spur Eleganz verhilft.

Zu den bekanntesten Großlagen gehört der Staufenberg mit den Einzellagen Stahlbühl und Wartberg sowie die Großlage Heuchelberg mit der Einzellage Sonntagsberg. Weitere bekannte Einzellagen sind z. B. das Heilbronner Löwenherz, der Heilbronner Vordere Hundsberg und der Heilbronner Hintere Hundsberg. Bedingt durch die Flurbereinigung in den 60er- und 70er-Jahren stammen die ältesten Reben aus den Pflanzjahren dieser Zeit.

Tipp Nr. 7: Gästehaus Bauer

Wenn du auf einem Weingut übernachten möchtest, dann ist mein Tipp das familiengeführte Gästehaus Bauer, das zum gleichnamigen Weingut Bauer gehört. Die modernen und sehr großzügigen Zimmer, das gute Frühstück, die gemütlichen Sitzplätze im Innenhof und die herzlichen Gastgeber machen den Aufenthalt besonders angenehm. In den Sommermonaten öffnet übrigens der Weinausschank der Familie Bauer und der Innenhof des Weinguts verwandelt sich in eine Besenwirtschaft, in der du die Weine der Bauers verköstigen und dazu klassische Gerichte der traditionellen schwäbischen Küche genießen kannst.

Tipp Nr. 8: Weingut G.A. Heinrich

Mein Weingutstipp ist das Familienweingut G.A. Heinrich, das seit 1545 eine ununterbrochene Weinbautradition pflegt. Anfangs bearbeitete die Familie als „Bauwengerter“ die Weinberge wohlhabender Bürger und Bürgerinnen. Über Generationen hinweg erwarben sie dann eigene Rebflächen. Zunächst wurde ein Großteil der Ernte, wie für die Region üblich, an die ortsansässige Winzergenossenschaft verkauft. Sehr früh aber erkannte die Familie das Potenzial einer Besenwirtschaft für die Vermarktung ihrer Weine. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts bot Opa Adolf Wein und Wurst im ausgeräumten Kinderzimmer an – ein Vorreiter des modernen Pop-up-Restaurants, wenn man so will. In den 50er-Jahren wurde dann ein großer Keller mit rund 120 Sitzplätzen zur Besenwirtschaft umgebaut. Mit dem Eintritt von Martin Heinrich, dem Sohn von Opa Adolf, entschied man sich, die gesamte Erntemenge selbst zu vermarkten, und zog in die Weinberge am Stadtrand. Das Weingut wuchs von 3,5 ha auf 12 ha und wurde 2017 an Martins Söhne Björn und Tobias übergeben. Heute führen die Brüder das mittlerweile 15 Hektar große Weingut weiter. Zu den wichtigsten Rebsorten zählen Riesling, Trollinger, Lemberger, aber auch vergessene Rebsorten wie die Scheurebe oder klassische internationale Rebsorten wie Weißburgunder und Chardonnay.

Besonders gut gefallen mir die trockenen schwäbischen Weine aus der Linie „The Nature Wines“ wie „TNT (Trollinger Non Traditionel)“ und die Scheurebe „The Shy Doc“, die eindrucksvoll zeigen, wozu diese oft vorverurteilten Rebsorten fähig sind. Ebenfalls sehr beeindruckt haben mich die Sekte, die alle mittels der traditionellen Flaschengärung hergestellt werden. Interessanterweise war das Weingut G.A. Heinrich zusammen mit dem Weingut Drautz-Able bereits 1978 eines der ersten Weingüter, die Sekt produziert haben. Wenn du zu Besuch bei den Heinrichs bist, wirst du zwangsläufig auch über den „Heilbronner Bürgerwein“ stolpern. Dieser Wein ist ein Gemeinschaftsprojekt des Weinguts G.A. Heinrich und der Heilbronner Winzergenossenschaft und eine Cuvée, die immer aus den beiden Rebsorten Lemberger und der Rebsorte Samtrot besteht. Der Wein schmeckt nicht nur überraschend gut, sondern trägt mit dem Erlös auch noch zum Erhalt des Weinpanoramawegs bei, der einst von Opa Adolf ins Leben gerufen wurde.

Weitere Tipps und Adressen

  • Restaurant Bachmaier
  • Ratskeller
  • Weingut Springer
  • Weingut Fischer
  • Weingut Albrecht – Kiessling
  • Weingut Kistenmacher & Hengerer
  • Wohnmobilstellplätze der Genossenschaftskellerei Heilbronn
  • Stellplätze am Wertwiesenpark (Neckarhalde 23)

Anzeige I Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Heilbronn Marketing GmbH

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Deine Lou

Über die Autorin

Louisa Maria Schmidt (aka Lou) schreibt auf ihrem Blog über Wein und erklärt in Kurzvideos auf Instagram, auf was es bei Wein wirklich ankommt. In der Gastronomie groß geworden, studierte sie Internationale Weinwirtschaft an der Hochschule Geisenheim. Heute arbeitet sie als Wine Consultant und Content Creatorin für PR-Agenturen, Online- und Printmagazine sowie Weingüter.

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Eine Antwort

  1. Der Artikel über Gosset hebt hervorragend die einzigartige Herangehensweise von Gosset bei der Champagnerproduktion hervor, insbesondere durch die Beibehaltung traditioneller Methoden und den Fokus auf echte Geschmacksprofile. Besonders beeindruckend ist die Beschreibung, wie auf den biologischen Säureabbau verzichtet wird, um die natürliche Säure und die charakteristischen Aromen der Trauben zu bewahren. Dies unterscheidet Gosset deutlich von den gängigen Produzenten. Eine sehr aufschlussreiche Darstellung, die den Lesern authentische Einblicke in die Welt der Winzerkunst bietet. Großartige Arbeit!

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